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Seit es das Heft „Förderdiagnostik Mathematik: Aus Fehlern lernen“ von Katrin Hasenbein gibt, können auch Lehrer mit wenig Zeit eine solide Fehleranalyse und Förderdiagnostik bei Kindern mit Rechenproblemen durchführen. Auf nur 31 Seiten findet man alles Nötige, um ohne viel Aufwand ein Kind beim lauten Denken und Rechnen zu beobachten und zu verstehen, welche Rechenoperationen es falsch oder lückenhaft begriffen hat.
Das kompakte Heft (DinA4) erlaubt es, mit sehr wenig Aufwand direkt in die konkrete Fehleranalyse eines bestimmten Schülers einzusteigen und dabei zu lernen, worauf man achten muss. Es beginnt mit vier knappen, verständlichen Seiten über Grundannahmen, Aufbau, Durchführung und Auswertung.

 

Nach deren Lektüre kann der Leser direkt einsteigen:

  • Auf je einer Doppelseite (Kopiervorlage) für die 1., 2., 3. und 4. Klasse sind diverse Aufgaben für den Schüler abgedruckt. Dieses Blatt wird dem Kind ausgeteilt. Die Aufgaben sind übersichtlich und angemessen für die Lernplaninhalte (Lehrplan) der verschiedenen Jahrgangsstufen. Sie sind so konstruiert, dass typische Denkfehler in ihnen besonders klar zu Tage treten.
  • Dazu passend gibt es je eine Doppelseite mit einem Durchführungsleitfaden für die Lehrkraft. Die Aufgaben sind hier verkleinert abgedruckt und mit Ausfüllbeispielen versehen. Am Rand stehen knappe Hinweise, z.B. „Zu beachten: Lässt sich das Kind durch „Zahlendreher“ irritieren? Erkennt das Kind, dass es erst nur die Zehner, bei Gleichheit dann die Einer betrachten muss, um die größere / kleinere Zahl zu finden?“ oder Tipps für Nachfragen: „Nachfrage: Woher weißt du, dass diese Zahl der Vorgänger / Nachfolger ist?“, etc.
  • Das letzte Kapitel bildet ein „Auswertungsleitfaden„, wieder kompakt mit einer Doppelseite pro Jahrgangsstufe gestaltet. Zu jeder Aufgabe wird erläutert, welche Anforderungen sie an das Kind stellt und auf welche typischen Fehler sie abzielt, und welche Kompetenzen oder Kenntnisse dem Kind vermutlich fehlen (z.B. „vermutlich keine innere Vorstellung der Zahlenreihe“, „bei Problemen mit der Subtraktion mangelnde Umkehrbarkeit der Zahlenreihe“, etc.).
  • Am Ende des Bandes findet sich noch eine Übersicht zu den Aufgabentypen „Umkehraufgaben“, „Platzhalteraufgaben“ und „Rechnen mit Null“ samt kurzen Erläuterungen dazu, welche Operation hier eigentlich verstanden sein muss.

Hasenbein leitet Förderdiagnostik von Aebli und Piaget her, steht also auf einem soliden Fundament; ich persönlich würde sagen: auf dem einzig richtigen. Nicht Techniken oder Auswendiggelerntes stehen im Zentrum, sondern korrekter Weise das Verständnis von Operationen.

Warum freue ich mich über dieses Buch (übrigens nicht aufgrund irgendeiner Zahlung oder anderen Zuwendung des Verlags)? Weil uns immer wieder Anfragen von Eltern erreichen, die verstehen möchten, warum ihre Kinder Probleme im Rechnen haben. Auch in meine Praxis kommen viele Klienten mit dieser Frage. Meistens lautet die erste Antwort sinngemäß: Dazu brauchen wir eine Fehleranalyse, und die sollten Sie zunächst bei der Lehrkraft erfragen, denn die Lehrkraft ist eigentlich dafür der richtige Ansprechpartner. Schließlich gehört es zur sinnvollen, individualisierten Unterrichtsplanung, dass eine Lehrkraft Fehler nicht nur anstreicht, sondern auch selbst versteht, was sie über die evt. gescheiterten oder irrigen Denkprozesse des Kindes aussagen. Nur so lässt sich der weitere Unterricht für alle Kinder angemessen planen.

Leider zeigt aber die Erfahrung, dass die deutsche Lehrerausbildung hierauf zu wenig Wert legt. Daher haben viele Kollegen in der Praxis kaum Übung darin, aus einem Fehler das Fehlende zu analysieren, auf das er hinweist. Auch in der Lehrer-Weiterbildung gibt es vermutlich mehr Seminare zur meditativen Gestaltung des Morgenkreises als zur Förderdiagnostik in Mathematik. Wer diese Wissenslücke schließen will, sah sich bis vor Kurzem einem ungeordneten Berg von Fachliteratur gegenüber. Hasenbeins Heft ist fundiert und führt Lehrkräfte an die wirklich wichtigen Punkte. Die Förderplanung bleibt ihnen überlassen, aber dafür sind sie schließlich ausgebildet. Freilich ist man danach kein Experte in Fehleranalyse. Aber mit einem fundierten Leitfaden wie diesem an der Hand muss man es auch nicht unbedingt werden. Wichtiger erscheint mir, dass Kindern gründlich geholfen wird, anstatt dass es nur heißt „Streng dich mehr an“, „Übe mehr“, „Pass besser auf“.

 

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